Jüdische Fußballer und Funktionäre beim KFV

Bensemann - Hirsch - Fuchs - Ransenberg

 

Jüdische Fußballpioniere wie Walther Bensemann, Julius Hirsch und Gottfried Fuchs haben den KFV geprägt wie nur wenige andere. Unter dem Druck des menschenverachtenden Naziregimes hat sich der Karlsruher FV wie der DFB und andere Vereine von diesen Helden und Pionieren abgewandt. Max Ransenberg war einer der führenden Denker und Lenker des Vereins nach dem 2. Weltkrieg. Viele seiner Familienmitglieder starben in der Schreckenszeit des Nazi-Regimes.

Per DFB–Dekret aus dem April 1933 mussten die jüdischen Mitglieder ihre Heimatvereine verlassen. Auch Julius Hirsch wurde nach der Machtübernahme der NSDAP aufgrund seiner jüdischen Abstammung verfolgt. Nach dem DFB-Dekret im April 1933 schieb Hirsch „seinem“ Karlsruher FV: „Leider muss ich nun bewegten Herzens meinem lieben KFV, dem ich seit 1902 angehöre, meinen Austritt anzeigen. Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, dass es in dem heute so gehassten Prügelkinde der deutschen Nation auch anständige Menschen und vielleicht noch viel mehr national denkende und auch durch die Tat bewiesene und durch das Herzblut vergossene deutsche Juden gibt.“ Hirsch wurde vom Städtischen Tiefbauamt Karlsruhe als Hilfsarbeiter auf einem Schuttplatz zwangsverpflichtet und am 14. Februar 1945 vom Hauptbahnhof Karlsruhe zum „Arbeitseinsatz“ in das KZ Theresienstadt deportiert. Das Todesdatum von Julius Hirsch ist unbekannt geblieben, er wurde 1950 vom Amtsgericht Karlsruhe mit Datum vom 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Video: Ein Kurzfilm über Julius Hirsch und den KFV.

Download (rechts Maustaste klicken, danach "speichern unter") : Fussball.flv

 

Der heutige Julius-Hirsch-Preis ist eine vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) gestiftete Auszeichnung. Der DFB ehrt damit Personen und Organisationen, die in besonderer Weise ihre gesellschaftliche Position nutzen, um sich für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit einzusetzen.

Walther Bensemann musste 1933 aus Deutschland aufgrund seiner jüdischen Abstammung flüchten, und lebte in Montreux, Schweiz. Ein Jahr später verstarb er dort. Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur vergibt seit 2006 den Deutschen Fußball-Kulturpreis. Der Ehrenpreis trägt den Namen Walther Bensemanns und wird an verdienstvolle Personen des Fußballs vergeben, die sich für die gesellschaftliche Verantwortung des Fußballs einsetzten.

Gottfried Fuchs emigrierte 1937 über die Schweiz und Frankreich nach Kanada, wo er unter dem Namen Godfrey Fochs bis zu seinem Tod im Jahre 1972 lebte. Wegen der Nürnberger Rassengesetze wurde sein Name aus vielen Fußballstatistiken gelöscht. Das klare Bekenntnis des Bundestrainers Sepp Herberger zu seinem früheren fußballerischen Idol (dem „Franz Beckenbauer seiner Jugend"), trug wesentlich zu Fuchs' Rehabilitierung in den 1950er Jahren bei. Der DFB ehrte ihn schließlich mit der Goldenen Ehrennadel.

Detaillierte Biographien finden Sie in unserer KFV-Ehrengallerie "KFV-Helden".

 

Ab 1945 war Max Ransenberg, dessen Eltern von den Nazis nach Ausschwitz und Theresienstadt deportiert wurden, erster Vorsitzender des KFV. Ransenbergs Bruder Leo, überlebte als einer von 17 deportierten Karlsruher Gefangenen von Theresienstadt die Nazi-Zeit und kehrte 1945 in die badische Residenzstadt zurück. Max Ransenberg war bis 1948 erster Vorsitzender des KFV.

Abbildung unten: KFV-Mannschaft bei einem Spiel in Liedolsheim 1946, Max Ransenberg rechts außen.

Abbildungen oben: Familienmitglieder der Ransenbergs als Porträt in der nationalsozialistischen "Judenkennkarte"

Mehr Informationen zum Thema:

http://my.informedia.de/gedenkbuch.php?PID=12&name=3443&suche=R

http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick86/aufsatz2.de

 

Der Julius-Hirsch-Preis

Der Julius-Hirsch-Preis ist eine vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) gestiftete Auszeichnung. Der DFB ehrt damit Personen und Organisationen, die in besonderer Weise ihre gesellschaftliche Position nutzen, um sich für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit einzusetzen. Der Preis erinnert an das Schicksal des siebenfachen deutschen Nationalspielers Julius Hirsch, der 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft aus seinem Verein, dem Karlsruher FV, ausgeschlossen und 1943 im KZ Auschwitz ermordet wurde.

Hierzu die Erklärung des deutschen Fußballbundes:

Mit der Stiftung des Julius Hirsch Preises verbindet der DFB die ehrende Erinnerung an seinen jüdischen Nationalspieler Julius Hirsch.

Die Idee zu diesem Preis reicht zurück in das Frühjahr 2005, als Nils Havemann uns die Ergebnisse des historischen Gutachtens „Fußball unterm Hakenkreuz“ zur Geschichte des DFB im Nationalsozialismus vorgelegt hatte. Nach intensiven Gesprächen mit der Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau, dem Zentralrat der Juden in Deutschland und nicht zuletzt der Familie Hirsch wurde uns klar, dass wir nun die Lehre aus der Geschichte des DFB ziehen und in konkretes Handeln umsetzen mussten. Ende 2005 wurde die Idee Wirklichkeit und der Julius Hirsch Preis in Leipzig erstmals verliehen.

Mit der Erinnerung an Julius Hirsch wendet sich der DFB seiner Vergangenheit bis in die Zeit des Nationalsozialismus zu. Julius Hirsch steht stellvertretend für viele bedeutende jüdische Spieler, Trainer und Funktionäre, die den deutschen Fußball bis 1933 maßgeblich geprägt haben. Unter dem Druck des menschenverachtenden Naziregimes haben sich der DFB und seine Vereine von diesen Helden und Pionieren abgewandt und sie damit ihrem Schicksal ausgeliefert. Per DFB–Dekret aus dem April 1933 mussten die jüdischen und kommunistischen Mitglieder ihre Heimatvereine verlassen. Viele von ihnen wurden ermordet. Nie wieder darf so etwas geschehen.

Mit der Stiftung des Julius Hirsch Preises erinnert der DFB nicht nur an die Opfer. Er will ein öffentliches Zeichen für die Unverletzbarkeit der Würde des Menschen setzen, in den Stadien und in der Gesellschaft. Die Vision des jüdischen Fußball-Pioniers Walther Bensemann, Gründungsmitglied des DFB und vieler bis heute populärer Vereine, lebt: Fußball kann Menschen und Völker in ihrer bunten Vielfalt verbinden und dadurch Frieden stiften.

Mit der Stiftung des Julius Hirsch Preises fordert der DFB seine Mitgliedsverbände und Vereine, seine mehr als sechs Millionen Spieler, Trainer, Funktionäre und besonders die Jugend in seinen Reihen auf, sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen auf dem Fußballplatz, im Stadion und in der Gesellschaft zu stellen. Wir wollen mit diesem Preis das Engagement unserer Vereinsmitglieder, Fans, Freunde und Anhänger, verstanden als Arbeit für den Frieden in der Gesellschaft, unterstützen und fördern.

Bisherige Preisträger

2005: FC Bayern München für die Veranstaltung des Match of Peace zwischen seinem U 17-Team und einer israelisch-palästinensischen Jugendauswahl des Peres Center for Peace. Diese zeichnete den Einsatz für Toleranz und Menschenwürde, gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus aus.

2006: Fanprojekte vom FC Schalke 04 „Dem Ball is´ egal wer ihn tritt“ und von Borussia Dortmund „Kick racism out“. Für den Einsatz für Toleranz und Menschenwürde und gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.

2007: Eichenkreuz Nürnberg, die Sportarbeit der Evangelischen Jugend, für den "1. Friedenslauf 2007" und den "Streetsoccer Cup" sowie TuS Plettenberg für den "Julius-Hirsch-Cup 2007". Ein Sonderpreis ging an das Fanprojekt Dresden.

2008: Die Dürener Initiative „Fußballvereine gegen Rechts“, das Leipziger Projekt „Bunte Kurve“ und die Bremer Antidiskriminierungskampagne setzten sich gegen Diskriminierung ein.

2009: Die Initiative „Löwenfans gegen Rechts“ aus München, der Verein „Hintertorperspektive e.V.“ aus Jena und das Fanprojekt Hannover als Mitglied und Berater des Arbeitskreis "96-Fans gegen Rassismus".

Ehrenpreisträger: Giovanni di Lorenzo

2010: Der SV Blau-Weiß Sedlitz, der seit seiner Neugründung vor zwanzig Jahren einen intensiven Dialog mit dem örtlichen Asylbewerberheim führt und sich bei mehreren Initiativen gegen Rechtsextremismus engagiert; Roter Stern 99 Leipzig, der sich gegen jede Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Präferenz einsetzt; sowie der SV 06 Lehrte für sein umfangreiches Wirken, das ein Werben für Organspende, Integrationsarbeit in den Jugendabteilungen sowie schulische Nachhilfe und ein Bewerbungstraining umfasst

Foto/Text: DFB

Der Walther-Bensemann-Preis

Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur vergibt seit 2006 den Deutschen Fußball-Kulturpreis. Der Ehrenpreis trägt den Namen Walther Bensemanns und wird an verdienstvolle Personen des Fußballs vergeben, die sich für die gesellschaftliche Verantwortung des Fußballs einsetzten. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und wird gestiftet vom kicker-sportmagazin.

Der Preis zeichnet Personen der Zeitgeschichte aus, deren langjähriges Wirken in der Tradition Walther Bensemanns steht; Menschen, die Herausragendes für den Fußball geleistet haben und dabei vielleicht auch gegen den Strom schwimmen mussten: Ein Sonderpreis für außergewöhnliches Engagement mit Mut und Pioniergeist, für gesellschaftliche Verantwortung, Fairplay und interkulturelle Verständigung im Umfeld des Fußballs.

Über die Vergabe des Sonderpreises entscheidet eine Jury aus den Nürnberger Initiatoren der Akademie, dies waren 2006-2010: Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, Karl-Heinz Heimann(†) und Rainer Holzschuh als Vertreter des kicker sportmagazin und der Vorstand der Teambank AG, Theophil Graband. Ab 2011 übernimmt Klaus Smentek den Platz von Karl-Heinz Heimann.

Text/Bilder: fussball-kultur.org/kicker sportmagazin

Bisherige Preisträger:

2006: Franz Beckenbauer

2007: Alfredo di Stéfano

2008: Bernhard "Bert" Trautmann

2009: César Luis Menotti

2010: Otto Rehagel

2011: Sir 'Bobby' Charlton

offizielle Webseite: http://www.fussball-kultur.org/fussball-kulturpreis/archiv/walther-bensemann-preis.html

Antisemitismus und Diskriminierung

im Fußball

Antisemitische Schmähungen im Fußball sind eng verknüpft mit der deutschen Geschichte, mit dem Nationalsozialismus und einem immer noch vorhandenen Vorrat von Vorurteilen.

Weblinks zum Thema:

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,453901,00.html

http://www.amballbleiben.org/html/themenfelder/antisemitismus.html

http://www.bpb.de/themen/1BHXXU,0,Antisemitismus_im_Fu%DFball.html

Broschüre zum Download

ProjekteFussballAusstellung.pdf

Erinnerungstag.pdf

weitere Internetlinks zum Thema "Juden im deutschen Fußball"

Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum

http://www.cjudaicum.de/de/content/kicker-k%C3%A4mpfer-und-legenden-0

 Walther Bensemann 

Biographie http://www.exil-archiv.de/html/biografien/bensemann.htm

Biographie http://www.buergerimstaat.de/1_06/kosmo.htm

DFB-Artikel http://www.dfb.de/index.php?id=500014&tx_dfbnews_pi1[showUid]=21530&tx_dfbnews_pi4[cat]=121

Bensemann-Preis http://www.fussball-kultur.org/fussball-kulturpreis/archiv/walther-bensemann-preis.html

Julius Hirsch

Julius-Hirsch-Preis  

Der vom DFB gestiftete Preis wird seit 2005 jährlich an Organisationen und Personen vergeben die sich für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit einsetzen.

http://www.dfb.de/index.php?id=501067       

Julius-Hirsch-Sportanlage (Berlin) 

http://www.tus-makkabi.de/51.0.html           

Juden im deutschen Fußball

http://www.bpb.de/publikationen/6I314O,2,0,Juden_im_deutschen_Fu%C3%9Fball.html

Julius-Hirsch-Halle

http://www.bzpf.ka.bw.schule.de/lmg/archiv/einweihung_halle.html

Vortrag (pdf-Datei)

http://www.jg-karlsruhe.de/Vortrag-Karlsruhe-Hirsch.pdf     

Gottfried Fuchs

Tagesspiegel Biographie des Rekordtorschützen.

http://www.tagesspiegel.de/sport/Fussball-Laenderspielserie;art133,2501701

Biographie

http://le-foot.eu/sprecherkabine/portrait/der-mann-mit-der-bis-heute-unerreichten-quote/

DFB-Artikel

http://www.dfb.de/index.php?id=500014&tx_dfbnews_pi1[showUid]=20210&tx_dfbnews_pi4[cat]=56

 

 

Zusammengestellt und bearbeitet von

Steffen L. Herberger (Webmaster, 2. Vorsitzender), 2009/10/11

s.herberger@karlsruher-fv1891.de

 

 

 

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