
Walther Bensemann
(* 13. Januar 1873 in Berlin; † 12. November 1934 in Montreux)
Walther Bensemann war ein deutscher Fussballpionier.
Walter Bensemann und Dr. Ivo Schricker Gedächtnisspiele für A-Jugendmannschaften
Bildquellen von oben nach unten: Wikipedia.org, KFV x 2, CJudaicum.
Friedrich Wilhelm Nohe
(* 10.April 1864; † 13. Oktober 1940)
Friedrich
Wilhelm Nohe war von 1904 bis 1905 1. Vorsitzender des Deutschen
Fußballbundes. Nohe lernte den Fußball als Sprachlehrer an einer
Militärschule in London kennen. 1898 siedelte er nach Karlsruhe über,
wo er Mitglied und Vorsitzender des KFV wurde. Von 1898 bis 1907 war
Nohe Vorsitzender des Süddeutschen Fußballverbandes.
Dr. Ivo Schricker
(* 18.März 1877 in Straßburg, Elsass; † 10.Januar 1962)
Dr.
Ivo Schricker spielte wie sein Bruder Erwin unter anderem bei den
Karlsruher Kickers, beim FV Straßburg und beim Akademischen S.C.
Berlin. Mit dem Karlsruher FV wurde er mehrmals Süddeutscher Meister.
1899 gehörte er zu den besten Akteuren bei den ersten - noch
inoffiziellen - Länderspielen gegen Mannschaften aus England. Nach
seiner aktiven Zeit war Schricker von 1923 bis 1925 Vorsitzender des
Süddeutschen Fußballverbandes. 1932 wurde er zum ersten
FIFA-Generalsekretär gewählt und übte dieses Amt bis Dezember 1950 aus.
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FIFA-Generalsekretär Dr. Schricker |
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Trainer-Legende William Townley |

Bensemann und Schricker bei einem "Ur-Länderspiel" 1898 in Paris, (7:0 gegen White Rovers Club, 2:1 gegen Pariser Stadtauswahl), , Quelle: Wikipedia.org.
„Seiner
Majestät dem deutschen Kaiser in Potsdam unterbreiten die Vertreter der
maßgebenenden vereine des deutschen Fußballsports Berlin untertänigst die
gehorsamste Mitteilung, daß heute in Paris zum ersten Mal eine aus allen
deutschen Gauen zusammengesetzte Fußballmannschaft über einen
hervorragenden französischen Fußballverein einen Sieg von 7:0 Malen
errungen hat.“
William Townley
(* 14. Februar 1866 in Blackburn, GB; † 30. Mai 1950 in Blackpool,GB)
William
J. Townley war ein ehemaliger englischer Fussballspieler und Trainer.
Er war der erste Spieler in der Geschichte des FA-Cups, dem in einem
Endspiel drei Tore gelangen. Später machte er sich als Pionier in der
Trainerarbeit in der deutschen Fußballgeschichte des frühen
20.Jahrhunderts einen Namen.
Seine
Stationen als Spieler waren Blackburn Junior Football, Blackburn
Olympic, Blackburn Rovers, Darwen FC und Manchester City. Als Trainer
war er für den DFC Prag tätig, ehe er ab 17. Januar 1909 das Training
bei dem von dem legendären Walther Bensemann geförderten
Spitzenverein
Karlsruher FV übernahm, der 1905 ebenfalls bereits einmal im Finale zur
deutschen Meisterschaft stand. Der Verein steckte vor Townleys
Amtsantritt in einer Krise, wofür vornehmlich schlechtes Training
verantwortlich gemacht wurde. Townley formte um Spieler wie Max Breunig
eine formidable Mannschaft und gewann 1910 mit einem 1:0-Sieg nach
Verlängerung gegen Holstein Kiel den ersten und einzigen Meistertitel
in der Geschichte des KFV. Darüber hinaus richtete
er
seine taktischen Vorgaben - „Stoppen, schauen, zuspielen“ - die sich
das schottisches Flachpassspiel zum Vorbild nahmen, bis in die
Jugendbereiche des Vereins aus. Diesem Prinzip folgte er auch auf
seinen weiteren Trainerstationen. Die Vereinsführung des KFV
verzichtete aber bald auf die Dienste Townleys, da sich
der
finanzielle Aufwand angesichts der später recht geringen
Trainingsteilnahme der Spieler nicht mehr zu lohnen schien. Darauf
folgten Trainertätigkeiten bei der SpVgg Fürth, wo er 1914 Meister
wurde, sowie zahlreichen weiteren Mannschaften, darunter
Traditionsvereine wie SV Waldhof Mannheim, FSV Frankfurt und den FC
Bayern München. Außerdem betreute er die niederländische
Nationalmannschaft während der Olympischen Sommerspiele 1924 in Paris.
Im Mai 1926 schloss sich er erneut der SpVgg Fürth an und gewann
sogleich mit
einem klaren 4:1-Endspielsieg gegen Hertha BSC die zweite
Meisterschaft der Klubgeschichte, welche für ihn die dritte war.Im
Alter von 84 Jahren verstarb Townley 1950 in Blackpool an der
englischen Kanalküste .Townley gilt als
einer der größten Pioniere des professionellen Fußballs in Karlsruhe (Foto:
Werbung aus dem Jahr 1911,
Quelle: KFV); unten: die Blackburn Rovers 1889
mit William (mittlere Reihe, ganz rechts)


Brief von Will Townley aus dem Jahre 1913, Quelle: KFV.
Fritz Förderer
(* 05. Januar 1888 in Karlsruhe; † 06. Dezember 1952 in Weimar)
Fritz Förderer, genannt „Frieder“, war ein Fußballspieler des KFV, der von 1908-13 zu elf Einsätzen in der deutschen Nationalmannschaft kam und dabei zehn Tore erzielte.

Der
vom Nachbarn FC Germania zum Karlsruher FV gekommene Halbstürmer war
einer der besten Fußballer seiner Zeit. Er war Dribbelkönig und
Schusskanone zugleich, der als „Zauberer mit dem Ball“ galt. Als
20-Jähriger vertrat er die Farben des DFB beim ersten Spiel einer
deutschen Fußballnationalmannschaft am 5. April 1908 in Basel gegen die
Schweiz. Bei der 3:5-Niederlage steuerte er einen Treffer bei. Auch
beim 14 Tage später stattfindenden zweiten Einsatz der
Nationalmannschaft gegen England lief er wieder für Deutschland auf das
Feld. Er schoss das Ehrentor bei der 1:5-Niederlage am 20. April in
Berlin-Mariendorf. Mit dem KFV gewann er am 15. Mai 1910 in Köln die
deutsche Meisterschaft. Mit seiner Schusskraft, seiner Dribbelkunst und
seiner Explosivität ragte er aus der Meisterelf heraus. Er war auch
1912 bei der Kieler Revanche mit dabei. Im Kronprinzenpokal feierte er
in der Auswahl des Südens in den Jahren 1910 und 1912 den Titelgewinn
und wiederholte dies
1921 mit der Mannschaft von Mitteldeutschland. Nach dem 1. Weltkrieg
verschlug es ihn beruflich als Sportlehrer an die Saale und er setzte
beim VFL Halle 1896 seine aktive Karriere fort. Als Mitglied des
„Karlsruher-Sturmes“, Oberle und Wegele von Phönix auf den Flügeln,
Förderer, Hirsch und Fuchs vom KFV als Innensturm, ging er in die
Historie der Nationalmannschaft beim Spiel am 24. März 1912 in Zwolle
gegen Holland ein. Bei den Olympischen Spielen in Stockholm war er in
den Spielen gegen Russland und Ungarn fünffacher Torschütze für die
deutschen Farben. Mit der 1:4-Niederlage am 26. Oktober 1913 in Hamburg
gegen Dänemark verabschiedete er sich nach 11 Länderspielen mit 10
Toren aus der Nationalmannschaft. Dazu beigetragen hat auch ein
schwerer Schienbeinruch während eines Spieles um den Kronprinzenpokal
im Spätjahr 1913 im Nürnberger „Zabo“, der ihn in seiner Karriere
zurückwarf. Förderer wurde am 20. April 1908 mit seinem zweiten
Länderspieltor im zweiten deutschen
Länderspiel
deutscher Rekord-Torschütze (zusammen mit Fritz Becker, der im ersten
Länderspiel zwei Tore geschossen hatte). Am 3. April 1909 wurde er mit drei
Toren von Eugen Kipp abgelöst, der den Rekord bis zum 5. Mai 1912 auf acht
Tore ausbaute.
Am 1. Juli 1912 konnte Förderer im Rekordspiel gegen Russland (16:0) durch vier Tore zwar Kipps Rekord um ein Tor überbieten, da aber Gottfried Fuchs in diesem Spiel 10 Tore schoss, wurde Fuchs Rekordtorschütze. Am 3. Juli 1912 schoss Förderer im Spiel gegen Ungarn (Endstand 1:3) sein zehntes und letztes Tor für Deutschland.Oftmals war er durch die Meisterschaftsbeanspruchungen seines KFV für die Nationalmannschaft verhindert.
Alle die Fritz Förderer spielen sahen und als Mensch erlebten, waren zutiefst berührt, als er am 6. Dezember 1952 kurz vor seinem 65. Geburtstag in Weimar starb.
siebter von links: Fritz Förderer mit der deutschen Nationalmannschaft 1908 (beim ersten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft), Quelle: DFB.

Gottfried Fuchs
(* 03. Mai 1889 in Karlsruhe; † 25.Februar 1972 in Montreal, CAN)

Gottfried Fuchs war deutscher Fußballnationalspieler zwischen 1911 und 1913. Fuchs spielte als Stürmer für den KFV und wurde mit diesem 1910 Deutscher Meister. Er war von 1911 bis 1913 sechs Mal für Deutschland aktiv und erzielte insgesamt 14 Tore. Dies ist bis heute (Stand 12. April 2009) die beste Quote (2,33) eines deutschen Nationalspielers. Bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm erzielte er im Spiel gegen Russland zehn Tore. Diese Zahl von Toren in einem Länderspiel eines deutschen Nationalspielers ist bis heute unübertroffen, auch international war sie nur 1908 vom Dänen Sophus Nielsen erreicht worden. Den Weltrekord hält seit 2001 der Australier Archie Thompson, dem beim 31:0 gegen Amerik.-Samoa 13 Tore gelangen. Mit diesen 10 Toren überbot er den bis dahin führenden Rekordtorschützen Eugen Kipp, der es zuvor in 11 Länderspielen auf acht Tore gebracht hatte. Fuchs' Rekord von 14 Toren wurde erst am 31. Oktober 1926 von Otto Harder eingestellt und am 7. September 1930 von Richard Hofmann überboten.
Fuchs mit Pele (damals FC Santos), 1971. Quelle: Werner Skrentny.
Da
Fuchs jüdischer Herkunft war, musste er 1937 nach Frankreich und 1940
schließlich nach Kanada emigrieren, wo er 1972 auch starb. Wegen der
Nürnberger Rassengesetze wurde sein Name aus vielen Fußballstatistiken
gelöscht. Diese Lücke wurde bislang nicht überall wieder revidiert. Das
klare Bekenntnis Sepp Herbergers zu seinem früheren fußballerischen
Idol (dem "Franz Beckenbauer seiner Jugend"), trug wesentlich zu Fuchs'
Rehabilitierung seit den 50er Jahren bei. Der DFB ehrte ihn schließlich
mit der Goldenen Ehrennadel.
Abbildungen unten: Spielszenen mit Gottfried Fuchs. Die ersten beiden Bilder zeigen Fuchs in der deutschen Nationalmannschaft. Die übrigen im KFV-Dress. Bildquellen: Erste zei Abbildungen: DFB, danach: KFV.




oben: Bayern München – KFV 0:5 (ca. 1911): Fuchs schießt (gegen den damaligen "besten Torwart der Welt", Pekarna, das letzte Tor)
Abbildungen unten: Noch heute erinnert man sich an Gottfried Fuchs' Torrekord, hier nach dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen San Marino, 2006 (Bild-Zeitung):


Julius Hirsch
(* 07. April 1892 in Achern; † wahrscheinlich 1943, zum 8. Mai 1945 für tot erklärt)

Julius
Hirsch entstammte einer jüdischen Familie. Sein Vater Berthold Hirsch,
gelernter Kaufmann und als Soldat im Deutsch-französischen Krieg
1870/71 beteiligt, war deutsch-national eingestellt und erzog seine
vier Söhne in diesem Sinne. Hirsch absolvierte vom 1. April 1912 bis
zum 1. April 1913 sein „Einjähriges“ beim 1. Badischen
Leib-Grenardier-Regiment 109. Unmittelbar nach dem Militärdienst zog es
Hirsch nach Nürnberg, wo er eine Stelle bei der Spielwarenfabrik
Gebrüder Bing AG antrat. Unklar ist, ob dieser Ortswechsel der
Liebe
zu seiner späteren Ehefrau Ella geschuldet war, ob ihn die berufliche
Verbesserung lockte oder der Ruf seines ehemaligen KFV-Trainers William
Townley, der mittlerweile in Fürth tätig war. Im Ersten Weltkrieg
diente er bereits ab dem 7. August 1914 als Soldat und war vier Jahre
lang an verschiedenen Kriegseinsätzen beteiligt. Zuletzt hatte er den
Rang eines Vizefeldwebels erreicht und wurde mit dem Eisernen Kreuz
II.Klasse ausgezeichnet. 1920 heiraten Julius Hirsch und Ella Karolina
Hauser. Die gebürtige Karlsruherin, Tochter eines Gastwirts aus
Heidelsheim, war beruflich Modistin und arbeitete als Chefverkäuferin
in einem Textilfachgeschäft. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Heinold
Leopold (* 1922) und Esther Carmen (* 1928) hervor. Ella Hauser war
evangelisch, die gemeinsamen Kinder wurden dennoch jüdisch erzogen.
Nach der Geburt des Sohnes lebte die Familie in der Kaiserallee 123 im
Stadtzentrum, 1934 wechselte sie ihren Wohnsitz nach
Karlsruhe-Weiherfeld, Murgstraße 7.
Sportliche Karriere

Hirsch begann seine Fußballkarriere als Zehnjähriger 1902 beim 1891 gegründeten Karlsruher FV. Im Alter von 17 Jahren gehörte Julius Hirsch erstmals der Stammformation des KFV an: Dem im Januar 1909 aus Prag nach Karlsruhe berufenen englischen Trainer William Townley fehlte für ein Sonntagsspiel gegen Freiburg ein Linksaußen für die damals schon etwas in die Jahre gekommene Mannschaft, so dass der Jugendspieler seine erste Bewährungschance erhielt. Hirsch lieferte ein gutes Spiel ab und schoss ein Tor, so dass Townley ihn trotz Einwände der „Alten“ fortan auflaufen ließ. In dieser Saison 1909/10 lieferte sich die Mannschaft in der Südkreisliga ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Lokalrivalen und deutschen Meister des Vorjahrs, dem Karlsruher FC Phönix. Der KFV konnte sich schließlich durch ein 3:0 in einem Entscheidungsspiel durchsetzen, erreichte damit die Endrunde und gewann schließlich auch das Endspiel.Der kleine, schnelle Hirsch war für seine gebückte Laufhaltung und einen starken linken Schuss bekannt. Er begann auf der Linksaußenposition, wechselte aber schon bald auf Halblinks: Zusammen mit Gottfried Fuchs und Fritz Förderer bildete er das Innensturmtrio des Karlsruher FV, das auch gemeinsam in der Nationalmannschaft zum Einsatz kam. „Vor allem der Karlsruher Innensturm Förderer, Fuchs, Hirsch, dem damals ein sagenhafter Ruf vorausging, imponierte mir mit seinen technischen Kunststückchen und bestechenden Kombinationszügen so sehr, dass ich sie heute noch in der Erinnerung nachziehen könnte.“ äußerte sich der spätere Bundestrainer Sepp Herberger, der als Jugendlicher Spiele des KFV besucht hatte, über das Stürmergespann. Aus der „Wettspielchronik des Karlsruher Fussball-Vereins e.V.“ geht hervor, dass Hirsch zwischen dem 21. August 1910 und dem 21. September 1913 81 Spiele für die 1. und ein Spiel für die 2. Mannschaft des Vereins bestritten hat, davon 54 gemeinsam mit Förderer und Fuchs.

Zwischen
1910 und 1913 gewann Hirsch mit dem Karlsruher FV drei Mal die
süddeutsche Meisterschaft und stand 1912 erneut im deutschen
Meisterschaftsfinale gegen Kiel, das jedoch mit 0:1 verloren ging. Im
selben Jahr gewann er mit der süddeutschen Auswahl den
Kronprinzenpokal, im Endspiel, das mit 6:5 gegen Brandenburg gewonnen
wurde, erzielten Fuchs drei und Hirsch zwei Tore. Aufgrund seiner
Leistungen wurde Hirsch insgesamt siebenmal in die Nationalmannschaft
berufen. Sein Debüt gab er am 17. Dezember 1911 in München beim 1:4
gegen Ungarn. Bei seinem zweitem Einsatz, dem 5:5 am 24. März 1912 in
Zwolle gegen die Niederlande, schoss er vier Tore, seine einzigen im
Nationaltrikot. Dieses Spiel, in dem neben Fuchs sieben weitere
KFV-Spieler sowie zwei Fußballer des Lokalrivalen FC Phönix antraten,
wurde von Fachleuten zu den besten Länderspielen der deutschen
Nationalmannschaft vor dem Ersten Weltkrieg gezählt. Diesem Einsatz
verdankte Hirsch auch die Nominierung für die Mannschaft, die bei
Olympia 1912 auflaufen sollte.
Hirsch
stand in zwei der drei Partien der deutschen Elf auf dem Platz, die
allerdings gegen Österreich mit 1:5 und Ungarn mit 1:3 verloren wurden.
Beim 16:0-Sieg gegen Russland, bei dem Gottfried Fuchs zehn Tore
erzielte, fehlte Hirsch. 1913 folgten drei weitere Einsätze in
Länderspielen gegen die Schweiz (1:2), Dänemark (1:4) und Belgien
(2:6). Die letzten drei Spiele im Trikot der deutschen
Nationalmannschaft fielen bereits in die Zeit, in der Hirsch nach
seinem Ortswechsel für die SpVgg Fürth auflief. Mit dem fränkischen
Verein, deren Kapitän er war und der bereits seit 1911/12 von William
Townley betreut wurde, wurde er 1914 durch einen 3:2-Sieg nach
Verlängerung in Magdeburg gegen den VfB Leipzig erneut Deutscher
Meister. Die Spielzeiten 1914 bis 1918 wurden wegen des Ersten
Weltkriegs nicht ausgetragen. 1919 wechselte er zurück nach Karlsruhe,
dort beendete er 1925 seine Fußballlaufbahn. Neben den zwei
Meistertiteln hatte Julius Hirsch vier süddeutsche Meisterschaften
errungen.

Verfolgung
Nach
der Machtübernahme der NSDAP wurde Hirsch wegen seiner jüdischen
Abstammung verfolgt. Als die Sportvereine 1933 ihre jüdischen
Mitglieder ausschlossen,
schrieb Julius Hirsch „seinem“ Karlsruher FV:
„Ich lese heute im Sportbericht Stuttgart, dass die großen Vereine, darunter auch der KFV, einen Entschluss gefasst haben, dass die Juden aus den Sportvereinen zu entfernen seien. Leider muss ich nun bewegten Herzens meinem lieben KFV, dem ich seit 1902 angehöre, meinen Austritt anzeigen. Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, dass es in dem heute so gehassten Prügelkinde der deutschen Nation auch anständige Menschen und vielleicht noch viel mehr national denkende und auch durch die Tat bewiesene und durch das Herzblut vergossene deutsche Juden gibt.“

Hirschs
Schicksal ist das vieler national gesinnter Juden, die sich nicht
vorstellen konnten, dass der Staat ihnen als kaisertreuen Deutschen und
Frontsoldaten des ersten Weltkrieges nach dem Leben
trachten
würde. Er verdrängte – wie viele seiner Glaubensgenossen – die Gefahr,
bis eine Flucht nicht mehr möglich war. Auf der Rückreise von einem
Besuch von Verwandten in Frankreich im November 1938 sprang Hirsch aus
dem fahrenden Zug. Er wurde daraufhin in die psychiatrische Klinik in
Bar-le-Duc eingeliefert, da er depressiv wirkte. Nach seiner Rückkehr
nach Karlsruhe im Jahr 1939 ließ er sich von seiner evangelischen
Ehefrau scheiden, um diese und die gemeinsamen Kinder Heinold und
Esther vor Verfolgung zu schützen. Hirsch wurde vom Städtischen
Tiefbauamt Karlsruhe als Hilfsarbeiter auf einem Schuttplatz
zwangsverpflichtet.
Das Todesdatum von Julius Hirsch ist unbekannt geblieben, er wurde 1950 vom Amtsgericht Karlsruhe mit Datum vom 8. Mai 1945 für tot erklärt. Gleichzeitig wurde eine „Entschädigung“ in Höhe von 3.450 DM verfügt. Seine beiden Kinder, die bereits 1938 als „Mischlinge ersten Grades“ die Schule verlassen und ab 1941 einen Judenstern tragen mussten, wurden am 14. Februar 1945 vom Hauptbahnhof Karlsruhe zum „Arbeitseinsatz“ in das KZ Theresienstadt deportiert; Heinold war zu diesem Zeitpunkt 22, Esther 17 Jahre alt. Beide wurden durch die Befreiung des Lagers durch die Rote Armee am 7. Mai 1945 befreit und kehrten am 16. Juni nach Karlsruhe zurück.

alte Mitgliedskarte von Hirsch, Schild einer nach ihm benannten Sportanlage, Quelle: CJudaicum.

oben: Hirsch im Spiel gegen die Stuttgarter Kickers. Quelle: kickers-Archiv.
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oben: Sammelbild von Manoli - 1920er Jahre der Nationalspieler.
Max Breunig
(* 12.November 1888 in einem Vorort von Karlsruhe; † 04. Juli 1961 in Pforzheim)

Max Breunig war deutscher Fußballnationalspieler von 1910-1913. Breunig absolvierte zwischen 1910 und 1913 insgesamt neun Länderspiele und schoss dabei ein Tor. Er war in allen neun Einsätzen Kapitän der deutschen Mannschaft. Auf Vereinsebene gewann Breunig mit dem Karlsruher FV 1910 die deutsche Meisterschaft und war im Finale Schütze des Siegtores zum 1:0.. Im selben Jahr gewann er mit der süddeutschen Auswahl den Kronprinzenpokal. Zwei Jahre später war er erneut in der siegreichen Auswahl Süddeutschlands vertreten. Im September 1913 wechselte Breunig zum 1.FC Pforzheim. Er galt als einer der besten Mittelläufer in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Durch den Kriegsbeginn wurde seine Karriere vorzeitig beendet.

Artikel über den Tod Breunigs, Quelle: KFV.
Autogrammkarte von Max Breunig
Ernst Hollstein
(* 09.Dezember 1886 in Karlsruhe; † 09. August 1950)
Ernst
Hollstein, gerufen „Holler“, war Nationalspieler zwischen 1910 und
1912. Ernst Hollstein wechselte von der Jugend des FC Phönix in die
Juniorenmannschaft des KFV. Er kam dann dort in die erste Mannschaft.
Er spielte zumeist auf der Position des linken Verteidigers. Seine
Spielweise wird als elegant, geschmeidig und souverän beschrieben. Er
war
kein Abwehrspieler der mit Kraft und Wucht die gegnerischen Stürmer
bekämpfte. Seine Mittel waren Gewandtheit, ausgezeichnete Technik und
ein glänzendes Kopfballspiel. Blindes Wegschlagen des Balles waren ihm
fremd. Sein Passspiel aus der Abwehr glich dem eines spielstarken
Außenläufer oder Halbstürmer.Bei Kirn/Natan wird festgehalten: „Ernst
Hollstein war einer der größten Verteidiger, die je über ein Feld
zogen. Spielte links wie rechts, zog aber die linke Position vor. Der
mittelgroße Spieler gehörte zu der KFV-Elite des grandiosen
‚Fußball-Geschwaders’, das seine Mannschaft zwischen 1909 und 1912
darstellte. Mit Gutsch bildete er ein perfektes Verteidiger-Paar. Sein
intuitives Stellungsspiel wurde als ‚Gedankenlesen’ bezeichnet.“
Von 1910 bis 1912 zog er dreimal in das Halbfinale um die Deutsche Fußballmeisterschaft ein. Er wurde mit dem KFV 1910 Meister, 1912 Vizemeister und verlor 1911 im Halbfinale gegen den VfB Leipzig. Den Kronprinzenpokal gewann er mit der Südauswahl 1912. Sein erstes Länderspiel für den DFB bestritt er am 24. April 1910 in Arnheim. Die 2:4 Niederlage gegen Holland erlebte er als linker Verteidiger. Seinen fünften Einsatz in der Nationalmannschaft hatte Hollstein am 29. Juni 1912 im Spiel gegen Österreich, in der Vorrunde des Olympia-Turnieres in Stockholm. Er spielte wieder auf der linken Verteidigerposition. Die 1:5 Niederlage lässt sich nicht Hollsteins Verteidigung, sondern vielmehr dem Umstand zuschreiben, dass für den Torhüter Albert Weber nach erlittener Gehirnerschütterung der Mittelstürmer Worpitzky den Platz im Tor übernahm. Mit dem Einsatz am 3. Juli 1912 beim Trostrundenspiel der Olympiade gegen Ungarn, beendete er mit 26 Jahren – als sechsmaliger Nationalspieler – seine internationale Laufbahn. Es wurde lebhaft bedauert, dass Hollstein sich bereits im Jahre 1913 vom aktiven Sport zurückzog, um sich verstärkt seinem Studium widmen zu können. Er wirkte später als Studienrat im südbadischen Offenburg.

Die süddeutsche Mannschaft, die 1912 die Auswahl Berlins in einem packenden Spiel mit 6:5 bezwang
ganz links: Fritz Förderer, Gottfried Fuchs; vor dem Torwart: Ernst Hollstein, Max Breunig; rechts außen: Julius Hirsch und Wilhelm Groß

links:
Deutsche Nationalelf vor dem (ersten) Länderspiel gegen die Niederlande (2:4), mit den KFV-Akteuren Breunig und Hollstein

Wilhelm Gros (* 06. Juli 1892; † 13. September 1917)
Wilhelm Gros war ein deutscher Fußballnationalspieler. Gros spielte ab 1910 für den KFV, mit dem er 1912 Deutscher Vizemeister wurde sowie 1911 und 1912 die Süddeutsche Meisterschaft gewann. 1912 absolvierte er in den Niederlanden sein einziges Länderspiel; die Niederlande und Deutschland trennten sich dabei 5:5, ein Tor gelang Gros nicht. Danach wurde er nicht noch einmal in die Nationalmannschaft berufen.




Fotos:
Gros als Jagdflieger im 1. Weltkrieg.
Quelle: http://flieger-album.de/
Seine Großherzogliche Hoheit Prinz Maximilian von Baden
(* 10. Juli 1867 in Baden, Baden; † 6. November 1929 in Salem bei Überlingen)
war letzter deutscher Reichskanzler, Protektor und Schirmherr des KFV. Die Annahme des Protektorats 1905 war für die damaligen Spieler und Mitglieder eine hohe Ehre. „Dankbar gedenken wir […] des badischen Prinzen, unseres hochverehrten Protektors, der in weitblickendem Verständnis für die kulturelle Bedeutung des Rasensports, selbst ein glühender Anhänger sportliche Betätigung, dem aufstrebenden Verein als Schirmherr zur Seite stand und durch die öffentliche Bekundung seines warmen Interesses dem Wohle des Karlsruher Fußballvereins, diesem gar manche wertvolle Unterstützung gedeihen ließ“, heißt es dazu in der Festschrift zum 30-jährigen Vereinsjubiläum.

Nationale und internationale Bedeutung erlang er 1918, in den Wirren des 1. Weltkriegs. Am 30. September empfiehlt Reichskanzler Georg Graf von Hertling bei seinem Rücktritt Max von Baden als Nachfolger. Am 3. Oktober wird Max von Baden zum Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten berufen. 5. Oktober: Auf Druck der Obersten Heeresleitung (OHL) übermittelt Max von Baden ein Waffenstillstandsgesuch an den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson auf Basis von dessen 14-Punkte-Programm.
Im Oktober erzwingt Max von Baden die Entlassung des Generals Erich Ludendorff aus der OHL. Am 9. November verkündet er die Abdankung des Kaisers und übergibt Friedrich Ebert, das Amt des Reichskanzlers. Nach seinem Rücktritt widmet er sich auf Schloß Salem der Gründung einer Schule, die zur Heranbildung einer neuen geistigen Elite in Deutschland beitragen soll.

Bild: Prinz Max beim Besuch eines KFV-Spiels gegen den Oxford-University-Association-Footballclub (1:3), 24.03.1907, Quelle: KFV.

oben: Die Wettspiel-Chronik, Quelle: KFV.
Hermann Bosch
(* 10. März 1891 in Öhningen am Bodensee; † 16. Juli 1916)
Bosch spielte auf der Position des linken Läufers. Mit seinem Heimatverein, dem Karlsruher FV gelang ihm 1910 der größte Erfolg, als am 15. Mai in Köln im Finale um die Deutsche Fußballmeisterschaft Holstein Kiel mit 1:0 besiegt wurde.
Sein Länderspieldebüt feierte Bosch am 29. Juni 1912 in Stockholm bei den Olympischen Spielen. Allerdings gab es eine 1:5-Niederlage gegen Österreich. Auch seine restlichen vier Spiele für Deutschland gingen verloren. Sowohl Ungarn, Dänemark und der Niederlande als auch der Schweiz unterlag die Mannschaft um Bosch.
Hermann Bosch kehrte aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurück; er war eines von den 66 Mitgliedern des Karlsruher FV, die im Krieg ihr Leben ließen.

Foto: bei den Olympischen Spielen 1912 mit der deutsche Nationalmannschaft in Stockholm. Neben Bosch auch Hollstein, Fuchs, Förderer und Breunig im Mannschaftskader.

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Karlsruher FV e.V. Impressum • Kontakt
Bensemann war Jude und Sohn einer Bankiersfamilie.
Während seines Aufenthalts in einer Privatschule in Montreux in der Schweiz
kam er mit dem damals
noch
neuen Sport Fußball in Kontakt. Nachdem er nach Karlsruhe gezogen war, um dort
sein Abitur am heutigen Bismarck-Gymnasium abzulegen, begann er, diesen Sport
in Deutschland zu verbreiten.
Im September 1889 gründete er in Karlsruhe den International Football Club, den ersten Fußballverein in Süddeutschland.
Er
war an der Gründung des Karlsruher FV (1891) sowie der Karlsruher
Kickers beteiligt. 1900 war er Mitgründer des Deutschen Fussball Bundes
und an der Gründung der Frankfurter Kickers, einem der Vorgängervereine
von Eintracht Frankfurt beteiligt.
Bensemann sah im Fußball den Gedanken von FairPlay
und Toleranz verwirklicht und betrachtete ihn als ein Mittel zur
Völkerverständigung. Daher organisierte er zeitlebens Spiele zwischen Vereins-
und
Auswahlmannschaften aus verschiedenen Ländern. Erstmals gelang ihm dies 1893
mit einer Begegnung zwischen Auswahlmannschaften aus Lausanne und
Süddeutschland.
Ein
Höhepunkt in diesen Bemühungen war die Organisation der fünf so genannten
Ur-Länderspiele. Diese Länderspiele deutscher Auswahlmannschaften, die nicht
in der offiziellen Statistik des DFB geführt werden, fanden zwischen 1899 und
1901 gegen englische Teams statt. 1920 gründete er in Konstanz mit dem Kicker
die Fußballzeitung Deutschlands. Noch unter seiner Leitung zog das Blatt über
Stuttgart und Ludwigshafen nach Nürnberg, wo die Redaktion noch heute
beheimatet ist. (Bild links: sein Grab in Montreux)

