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Werner Skrenty: Biograph des KFV-Nationalspielers Julius Hirsch.

Werner Skrentnys Buch "Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet: Biografie eines jüdischen Fußballers" erschien im vergangenen April. Skrentnys Werk handelt vom Leben des KFV-Nationalspielers Julius Hirsch und dem noch "jungen" KFV der 1910er bis 1930er Jahre.

Skrentny hat sein Buch zwischenzeitlich in Augsburg, Karlsruhe, Mainz und Regensburg vorgestellt, 2013 folgt Nürnberg, "Anne-Frank-Woche" der Stadt vor Schülerinnen und Schülern sowie Deutsche Akademie für Fußballkultur.

Das Buch wurde bislang im Fernsehen, Rundfunk und mit ca. 50 Rezensionen in der Presse besprochen.

Dem KFV stand er für einige Fragen zur Verfügung.

Welche Persönlichkeit beim KFV hat Sie am meisten inspiriert?

Als ich 1992 begonnen habe, die Geschichte der Fußball-Oberliga Süd, die von 1945 bis 1963 vor der Bundesliga als höchste regionale Spielklasse bestand, für das Buch „Als Morlock noch den Mondschein traf“ zu recherieren, beschloss ich, nicht beim „Punkt Null“ anzufangen. Auch in der Nazizeit wurde weiter Fußball gespielt und davor sowieso.

In diesem Zusammenhang stieß ich auf Julius Hirsch, den Nationalspieler und Olympiateilnehmer vom KFV. In der DFB-Festschrift von 1954 fand ich die Angabe: „Gestorben im Ghetto 1939/45“ und im „ARAL-Sammelalbum“ zur WM 1970 hieß es: „Gestorben 6.5.1941 (Auschwitz)“.

Das hat mich sehr neugierig gemacht, zumal zu diesem Zeitpunkt über jüdische Fußballer so gut wie nichts bekannt war. Bei der Nachprüfung stellte sich heraus: die erste Angabe war oberflächlich, die zweite falsch.

Insbesondere die Kinder von Julius Hirsch, Heinold und Esther, die leider inzwischen verstorben sind, sowie später der Enkel Andreas halfen mir dann, das Leben des Nationalspielers zu dokumentieren und zwangsläufig stieß ich dann auch auf die Biographie des zweiten jüdischen Internationalen, Gottfried Fuchs vom KFV.

Fuchs, Hirsch, Förderer, Townley, Lawrence… die Liste ist lang. Welche Persönlichkeit aus der Geschichte des KFV bewundern Sie am meisten und warum?

Ich wurde 1949 geboren, habe also keinen der genannten Spieler oder Trainer erlebt. Wohl aber war mir der KFV in meiner Jugend ein Begriff, aufgrund seiner glorreichen Vergangenheit und des „Tabellen-Studiums“. Zumal ich im Nordschwarzwald aufgewachsen bin und mit der Fußballgeschichte beim nicht mehr existenten 1. FC Pforzheim in Kontakt kam. Der KFV hatte herausragende Spielerpersönlichkeiten und natürlich auch einen 1 a-Trainer mit Bill Townley. Beeindruckend finde ich, dass fast alle Spieler auch eine bemerkenswerte berufliche Laufbahn verzeichneten. Der Torhüter von 1910, Adolf Dell, zum Beispiel war Schauspieler und Kunstmaler, der Mittelstürmer Gottfried Fuchs war im Holzhandel sehr erfolgreich.

 Was hat Sie beim KFV am meisten beeindruckt?

Mich fasziniert die Pionierarbeit, die all die Verantwortlichen geleistet haben, an erster Stelle Walther Bensemann, nach dem ja heute ein renommierter Preis benannt ist. Und wie sie – dazu gehört natürlich auch der KSC-Vorläufer Phönix – Karlsruhe zu einer Fußball-Hochburg gemacht haben. Der Süden stellte damals mit dem Freiburger FC (1907), dem Phönix (1909), dem KFV (1910) und der SpVgg Fürth (1914), bei der Julius Hirsch Spielführer war, die Deutschen Meister, zudem waren Endspiel-Teilnehmer vor dem 1. Weltkrieg der KFV (2mal), der 1. FC Pforzheim, die Stuttgarter Kickers. Und beachtlich war dann auch die zweite Glanzzeit des KFV Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre. 

Warum ist der KFV nicht irgendein Fußballverein?/Was macht den KFV besonders?

Der KFV ist wie gerade erwähnt ein Traditionsverein dank seiner Erfolge, dank seiner Nationalspieler. Es ist bezeichnend, dass Gottfried Fuchs, „der Zehn-Tore-Mann“ von den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm, das Jugend-Idol des späteren Reichs- und Bundestrainers Sepp Herberger war. 

Nach der Insolvenz im Jahre 2004 musste der KFV ohne Sportplatz und ohne breite Basis, 2007 in der C-Klasse Karlsruhe, der untersten Liga, von neu beginnen. Wie wird sich der KFV sportlich, personell und organisatorisch in der Zukunft entwickeln?

Erst einmal großen Respekt vor allen, die das Comeback des KFV ermöglicht haben! Der KFV besitzt ja einen großen Namen, von dem er hoffentlich zehren kann. Der Neuaufbau ist bislang stetig voran gegangen, das lässt hoffen.

Wie stehen Sie heute zum KFV?

Es wäre schön, wenn sich der Traditionsverein sportlich weiter entwickelt. Dass durch mein Buch die Namen Julius Hirsch, Gottfried Fuchs und eben der KFV wieder in Erinnerung gerufen wurden, freut mich sehr. 

Was würden Sie heute den Verantwortlichen mit auf den Weg geben?

Die Aufbauarbeit kontinuierlich fortzusetzen, auch bei Rückschlägen. Mit dem Fernziel, eine Jugend-Abteilung aufzubauen, die meines Wissens Voraussetzung für einen eigenen Sportplatz ist. 

Bildquelle: Werner Skrentny, Verlag die Werkstatt